Liebe Yogins und Yoginis

Das heutige Thema unterm Baum ist die Sitzhaltung der Meditation. Hier gibt es tausende von Möglichkeiten und jede von ihnen wird ein Hindernis sein, solange sie nicht die Richtige für einen selbst ist.

Die Sitzhaltung der Meditation ist einer der wichtigsten Punkte um eine schöne, glückbringende und fortschreitende Meditation zu gewährleisten. Vor allem soll die richtige Sitzhaltung Stabilität und Entspannung bringen, keine Verspannung und übertriebene Anstrengung.

Bestimmt kennt jeder von uns irgendwelche Buddha-Statuen und wie diese im mystischen Lotussitz mit einem Schmunzeln dahocken. Man kann aber sagen, dass es recht wenig mit Mystik oder Magie zu tun hat. Ebenso wenig “Magie” findet sich auf dem Boden wieder. Ist man es gewohnt, wie im Westen üblich, normalerweise auf Couches und Stühlen zu sitzen, sollte man das auch in der Meditation am Anfang tun.

Dennoch soll hier auf keinen Fall irgendeine Art von Faulheit unterstütz werden, ratsam wäre also ein wenig Flexibilität in die Hüfte zu bringen. Denn ob mystisch oder nicht, so manche Sitzhaltung der Meditation hat definitiv ihre Daseins Berechtigung. Außerdem ist wohl einer der größten negativen Punkte der Stühle, dass es sie nicht überall gibt…


Haltung der Meditation

Der Buddha, Siddhartha Gautama, saß in der bekanntesten Sitzhaltung, dem padmasana (Lotussitz) und sprach von insgesamt vier Haltung die es in der Meditation laut ihm gibt. Folgende sind die vier:

  1. Sitzen
  2. Gehen
  3. Stehen
  4. Liegen

Wie nun schon öfter erwähnt in den Beiträgen, ist Yoga und Meditation reines arbeiten mit dem Geist. Da uns der Geist 24/7 zur Seite steht, ist es auch logisch, dass man in jeder Haltung und jeder Situation meditieren kann (zumindest mit genug Übung).

So formulierte es auch Patanjali:

sthira-sukham āsanam

Die Haltung sollte stabil und bequem sein.

Patanjali – Yoga Sutra 2.46

Auch hier ist nur die Rede von der Haltung des Körpers im Allgemeinen. Demnach sollte in jeder Situation eine stabile und bequeme Haltung berücksichtigt werden. Jeder hat sicherlich schon von dem Thema Körpersprache gehört und wie Menschen sich oft dadurch ausdrücken. Soll nun aber nicht das Thema sein, also kommen wir zum Teil Sitzhaltung der Meditation.


Sitzhaltung der Meditation

Einer der wichtigsten Punkte in der Sitzhaltung ist der Rücken. Er sollte Aufgerichtet sein und nicht Krumm, das heißt nicht Kerzen gerade, sondern so das Kopf-, Hals- und Rückenwirbel bequem aufeinander gestapelt sind. Der Sinn der aufgerichteten Wirbelsäule ist, dass es Müdigkeit vorbeugt und Wachheit fördert.

Ich möchte hier vier Sitzhaltungen vorstellen und einige Vor- und Nachteile erläutern. Die vier wichtigsten sind einmal padmasana (Lotussitz), ardha padmasana (halber Lotussitz), die burmesische Haltung und zu Letzt sukhasana (Schneidersitz). Beginnend mit Leicht und endend bei Schwer.

sukhasana – der Schneidersitz

Kennt eigentlich jeder, so sitzt man im Westen meistens auf dem Boden, lernt man schon im Kindergarten so. In Sanskrit “sukhasana” genannt. Sukha bedeutet Glück, asana ist die Haltung. Folgend kann man sukhasana also mit “die Glückbringende Haltung” übersetzten. Die Haltung lässt sich leicht einnehmen, jedoch erfordert sie großen Aufwand um den Rücken eine Zeit lang aufrecht zu halten. Entspannung ist also nur eine sehr kurze Zeit vorhanden, außerdem schlafen die Beine extrem schnell durch das eigene Gewicht ein. Will man aber unbedingt auf dem Boden meditieren und ist nicht allzu beweglich, sollte das für den Anfang die Sitzhaltung sein.

Die burmesische Haltung

Die burmesische Haltung ist eine der einfachsten Sitzhaltungen für Anfänger auf dem Boden. Hier werden beide Beine voreinander, flach, auf den Boden gelegt. Optimal wäre es wenn die beiden Knie den Boden berühren um Stabilität zu gewährleisten. Auch wenn sie sehr bequem ist fehlt der Haltung leider auch die Festigkeit, bedeutet wieder, man braucht Aufwand um sich gerade zu halten und muss vielleicht sogar oft nach korrigieren.

ardha padmasana – der halbe Lotus

Der halbe Lotus ist wohl für die Flexibilität, die man benötigt um sie einzunehmen, die ausgeglichenste Sitzhaltung von allen. Eine mäßig geöffnete Hüfte reicht meistens schon vollkommen aus, was man dann “nur noch” machen muss ist das lange sitzen üben, um ein wenig Geschmeidigkeit und Gewohnheit in den Körper zu bekommen. Im Yoga (zumindest im hatha) gilt hier die Regel, dass das rechte Bein über dem Linken sein sollte. Persönlich halte ich es für egal, macht es wie es euch am besten passt.

padmasana – der Lotus

Die Sitzhaltung, die schwer einzunehmen ist, zumindest ohne genügend Flexibilität und einen enormen Aufwand braucht um sie eine Weile zu halten, jedenfalls wenn man es nicht gewohnt ist auf dem Boden zu sitzen. Kann man es jedoch einmal und hat die nötige Biegsamkeit, ist sie die wohl mit Abstand bequemste und stabilste Sitzhaltung der Meditation. Man ist vollkommen verankert und wird komplett natürlich und automatisch aufrecht gehalten. Somit muss kein weiterer Gedanke an die Körperhaltung “verschwendet” werden. Im Yoga gilt oft rechts unten, links oben und im Buddhismus, oft genau anders herum oder es ist nur die Rede von “gekreuzt”. Also wieder der Hinweis, geht nach dem persönlichen Geschmack.

Ein kleiner Zusatz für alle die den Elan haben den Lotussitz zu meistern. Im Mahayana Buddhismus nennt man die Lotushaltung auch oft “vajrasana” (vajra = Diamant), um die Hoheit dieses Sitzes auszudrücken. Dort gibt es eine Methode Namens “Sieben-Punkte Haltung des Vairochana”, die die optimale Haltung beschreibt. Natürlich ist sie auch auf alle anderen Sitzhaltungen anwendbar…

  1. gekreuzte Beine
  2. Hände im Schoß oder auf den Knien
  3. Rücken aufgerichtet
  4. Schultern gespreizt (Wie die Flügel des Adlers)
  5. Kinn leicht nach unten geneigt
  6. Zunge oben am Gaumen
  7. Augen halb geschlossen, nach unten schauend

Zusammenfassung

Die richtige Sitzhaltung:

– vermeidet Müdigkeit – vermeidet Stumpfheit

+ erhöht Achtsamkeit + erhöht Wachheit

Man sollte sich aus diesen Sitzhaltungen das passende heraus nehmen. Das anwenden, mit dem man sich am wohlsten fühlt. Wichtig ist ein hoher Grad an Bequemlichkeit, denn ohne Bequemlichkeit keine Entspannung. Außerdem sollte darauf geachtet, dass man ein gutes Maß an Stabilität hat und nicht nur pure Entspannung, immerhin fördert es sonst Schläfrigkeit und Tagträumerei. Ziel ist also, so wenig wie möglich an die Körperhaltung denken zu müssen.


Viele Gerede das nichts bringt, man muss es wieder mal selbst herausfinden. Alle Hilfestellungen sind unnötig wenn sie nicht weiterhelfen, also selbst herum probieren. Es gilt nicht nur auszusehen wie ein Yogi weil man in der Lotushaltung sitzen kann, sondern den Geist zu trainieren.

Bis zum nächsten Mal unterm Baum,

Namaste, Metta und Adé
-Anagarika