Liebe Yogins und Yoginis,

Es ist soweit und heute wird sich wiedermal einem “Guru” unterm Baum gewidmet. Als letztes Berichtet ich in dieser Kategorie von meinen Erfahrungen mit Mata Amritanandamayi, kurz “Amma“. Heute ist nicht wirklich direkt ein “Guru” davon betroffen, wobei es auch hier einige Punkte gibt, sondern eher die komplette Organisation die dahinter steht.

Die Rede ist von der Self-Realization Fellowship, auch genannt “SRF“. Diese Organisation wurde 1920 vom berühmten “SwamiParamahamsa Yogananda, bürgerlich Mukunda Lal Ghosh, gegründet. Bekannt wurde er unter anderem durch sein Buch “Autobiographie eines Yogi” und einem seiner Fans der Neuzeit, Steve Jobs. Der Apple-Gründer hatte wohl immer einige dieser Bücher bei sich herumliegen um sie zu verschenken, da dieses Werk ihn anscheinend sehr inspirierte.

Seit dem Jahre 2014 gibt es ebenfalls eine Dokumentation über das erstaunliche Leben des Yogananda. Sehen kann man sie auf jeder beliebigen Streaming Plattform, der Name lautet “Awake – das Leben des Yogananda”. Ebenso wie bei “Amma” gilt auch hier, es ist meine persönliche Erfahrung und sollte auch so erkannt werden oder man hört ab hier zu Lesen auf…


Autobiographie eines Yogi

Den Anfang macht das berühmteste Werk der Self-Realization Fellowship. Mit diesem Buch kam ich sehr früh in meiner “Yoga-Laufbahn” in Kontakt, es war so ziemlich eines der ersten Werke die ich las. Wieso Steve Jobs so ein großer Fan davon war kann ich mir gut vorstellen. Es ist bis auf einige wenige Kapitel, eine pure Quelle der Inspiration, dieses Buch beschreibt von vorne bis hinten etwas Mystisches, von Magie nutzenden Yogis bis zu Engelserscheinungen ist alles dabei.

Eben diese Mystik ist auch wiederum das größte Problem daran. Viele Leute bekommen dieses Buch in die Hand und haben nach der letzten Seite einen komplett falschen Eindruck von dem was Yoga ist und was er sein soll. Es wäre als würde man “Der Herr der Ringe” lesen und sich danach entschließen ein Magier wie Gandalf zu werden… Mystik vermarktet sich eben Gut.

Außerdem beschreibt das Buch einen Weg, Yogananda nannte diesen “Schnellstraße zur Erleuchtung“. Gemeint ist hier die Art von Yoga deren Anhänger er war. Dieser Yoga, genannt “Kriya Yoga”, liegt in der Linie des mysteriösen Babaji, Lahiri Mahasaya und dessen Schüler Swami Yukteswar Giri. Doch was ist dieses “kriya” überhaupt?


Der Kriya Yoga

Das Sanskrit Wort “kriyā”, welches übersetzt “Tat” oder “Anstrengung” ist, findet sich sogar in Patanjalis Yoga-Sutra und der Bhagavad Gita wieder. In diesen Texten ist das Praktizieren des Yogas gemeint und steht somit in Zusammenhang mit dem achtgliedrigen Pfad des Yoga. Bedeutet also, übt man die Regeln der Sittlichkeit (yama), ist es kriya. Übt man die Regeln der Persönlichkeit (niyama), ist es kriya. Ebenso wie auch das Üben von pranayama oder asana, kriya ist.

Die Methoden und Techniken des kriya von Yogananda, zählen dabei eher zur Kategorie des Kundalini-Yoga. Wie diese Übungen aussehen, lernt man durch die “Lehrbriefe” der Self-Realization Fellowship. Diese kann ich einigermaßen genau beschreiben, denn ich hatte sie damals dummerweise abonniert…


Die SRF-Lehrbriefe

Auf der Seite der Self-Realization Fellowship lassen sich die Lehrbriefe in drei Stufen bestellen. Hat man sie für rund 120€ bestellt, erhält man alle zwei Wochen einen Brief mit Instruktionen. Zusätzlich bekommt man noch einen Ausweis und ist damit offiziell Mitglied der eingetragenen SRF-Kirche.

Yoganand erklärte in 18 Lehrbriefen seine Lehre über den “Kriya-Yoga”. Heute umfassen die Lehrbriefe rund 180 Stück. Ich denke, dass alleine diese Tatsache schon Bände spricht. Der Inhalt der Lehrbriefe ist durchgehend unnötig, alles was darin beschrieben wird sind vor allem Gedichte Yoganandas, irgendwelche Anekdoten oder die Erklärung von Themen, die man sowieso umsonst und viel besser im Internet erhält.

Als wäre das noch nicht genug, erhält man sogar Spendenaufrufe der SRF per Post. Zu letzt waren neue Druckerei-Maschinen fällig, um wohl noch mehr der verwässerten Lehre zu drucken.


SRF-Technik

Nun zu den überaus geheimen Kriya-Lehren des Yogananda… Das erste was einem beigebracht wird, nach drei Monaten Gedichts-Briefen, sind die sogenannten Energie-Aufladeübungen. Laut SRF wurden die Übungen direkt durch Yogananda selbst entdeckt… Auch wieder Marketing. Die Übungen hat Yogananda von seinem Bruder, einem bekannten Bodybuilder und Hatha-Yogi, übernommen. Es ist einfaches Muskulatur anspannen und wieder entspannen… pure Magie.

Die Meditationstechnik ist hier von dem bekannten Kundalini-Yoga übernommen und sogar verdreht worden. Ob es Absicht war um wieder etwas “Eigenes” zu kreieren, weiß ich nicht. Die Hauptübung ist hierbei die “Wirbelsäulenatmung” in Kombination des “Hamsa” bzw. “Soham” Mantras. Dabei ist bei der SRF-Methode die Einatmung “Ham” (hong – laut SRF) und die Ausatmung “Sa” (so – laut SRF), was leider falsch herum ist und bei ihnen auch Hong-So genannt wird.

Der Rest der Technik sind simple Körperübungen, die auch mit dem Kundalini-Yoga zu tun haben. Unter anderem heißen die asanas “Maha-Mudra” oder “Jyoti-Mudra”. Im Grunde besteht der ganze Zauber des “Kriya-Yoga” also aus einer Vermischung des Kundalini- und Hatha-Yogas. Das Ziel ist demnach die Erweckung der Kundalini, was hier als “Schnellstraße” gilt.


Zusammenfassung

Heute gibt es leider, wie in jeder Richtung des Yoga, 1000 verschiedene Arten von jeder Methode. Sei es kriya, tantra, vipassana oder anapanasati. All dies hat nur einen Zweck, pure Verwirrung und Geldmacherei. Selbst der Kriya-Yoga von Lahiri Mahasaya unterscheidet sich derart von dem wie Yogananda oder die SRF ihn lehrt, dass man direkt wissen sollte, das Etwas nicht stimmt.

Reiner versuch, durch Mystik und Geheimnisvolles, auf Kundenfang zu gehen. Schaut man sich alleine schon Bilder von Yogananda an, sieht man stets James Lynn, den Goldesel der SRF, an seiner Seite. Dieser war ein Millionär und somit natürlich auch einer der bedeutendsten Schüler Yoganandas und nach dessen Tod auch Kopf der Self-Realization Fellowship.


Ich würde dazu raten lieber den wahren Yoga zu praktizieren. Hierfür findet man genügend Techniken und Methoden, komplett kostenfrei, im Internet. Ist man jedoch auf der Suche nach einer Art Sekte oder hat Lust auf schöne Gedichte über Gott und will obendrein auch noch Geld verschenken, abonniert einfach die Briefe der Self-Realization Fellowship.

Bis zum nächsten Mal unterm Baum,

Namste, Metta und Adé
-Anagarika