Liebe Yogins und Yoginis,

Heute lautet das Thema unterm Baum Stufen der Versenkung. In Pali jhāna und Sanskrit dhyāna genannt. Die Voraussetzung für die jeweiligen Jhanas liegen in der Samatha-Meditation. Um Jhana oder eine Stufe der Versenkung zu erfahren muss zuerst der Geist bis zu einer gewissen Stufe konzentriert werden.

Den Eintritt in die erste Jhana-Stufe bekommt man durch die Einpünktigkeit des Geistes. Hat man das erste Jhana erreicht, kann durch die Versenkung in diesem, jeweils die nächst tiefere Stufe erreicht werden. Insgesamt gibt es neun Stufen der Versenkung, wobei nur die ersten vier als Jhanas aufgeführt werden. Die letzten fünf sind erfahrbare Dimensionen des Geistes.

Nicht alle vier Jhana-Stufen lassen sich durch jedes der 40 Meditationsobjekte (kammaṭṭhāna) erreichen. Deshalb empfiehlt sich das Anwenden “der 10 Sichtbaren Objekte” (kasinas) oder “Anapanasati”, die Achtsamkeit der Ein- und Ausatmung. Diese elf Objekte lassen alle vier Jhanas erblühen.


Notwendigkeit der Jhanas

Viele Lehrer, Gurus und Lamas befassen sich heutzutage nur noch sehr wenig mit der Samatha- oder Shine-Meditation, da diese sehr Zeit aufwändig ist. Es benötigt ebenso wie Zeit auch sehr viel Ruhe, Gelassenheit und Geduld um diese Art der Meditation zu meistern. Weshalb viele der heutigen Lehrer direkt zur Vipassana-Meditation greifen.

Dieses spezielle Vipassana wird dann zur Trockenen-Einsichtsmeditation, da hier die nötige Vorarbeit fehlt. Im Pali-Kanon ist oft die Rede von der Übung des samadhi, damit meint Buddha sowohl die Vertiefung als auch die Einsicht. Würde man demnach also die Konzentration vernachlässigen, wäre einer der Punkte des Edlen achtfachen Pfades weg, sammā samādhi.

Außerdem behaupten viele Meister, dass die Stufen der Versenkung, einen von der Vipassana-Meditation abhalten könnten. Man würde Gefahr laufen, sich in den wohltuenden Empfindungen und Geisteszuständen zu verlieren und somit nur noch bei diesen zu verharren. Wobei eben genau diese Konzentration und Erfahrung für die Entwicklung der Einsichten in die Existenzmerkmale nötig sind. Nun also zu den jeweiligen Jhanas…


erstes Jhana: wohltuende Empfindung

Im Zustand der Einpünktigkeit erfährt man einen immer stärker werdenden Fluss der Konzentration. Kann man diesen Fluss ununterbrochen und ohne Störungen halten tritt man in die erste Stufe der Versenkung ein. Diese zeichnet sich durch eine wohltuende Körperempfindung aus. Die Empfindung kann bis zur Ekstase führen und dafür sorgen, dass negative Dinge wie Schmerz, einfach verschwinden.

Um nun tiefer zu gelangen, beobachtet man ohne Anhaftung diese Körperempfindung. Heißt also man lenkt die Aufmerksamkeit vom Meditationsobjekt auf die Empfindung selbst und versucht sie los zu lassen.

zweites Jhana: Freude

Hat man die Körperempfindung gehen lassen, schaut man nun eine Stufe tiefer in den Geist. Durch die wohltuenden Empfindung hat sich ein Gefühl der Freude eingestellt. Nun wird das Gefühl mit der einpünktigen Konzentration betrachtet und  auch dieses sollte fallen gelassen werden.

drittes Jhana: Zufriedenheit

Hat der Geist nun auch von der Freude abgelassen, stellt sich eine tiefe Zufriedenheit ein. In dieser Zufriedenheit wird ein noch ruhigerer Geist als zuvor schon erlebt. Wie schon davor wird wieder versucht, ohne Anhaftung, diese zu beobachten und sie daraufhin gehen zu lassen, welches zur letzten Jhana-Stufe führt…

viertes Jhana: Frieden

In der vierten Stufe der Versenkung erfährt man totalen Frieden. Dies äußert sich durch Gleichmut, weder schlechte noch gute Empfindungen lassen sich nun im Körper oder Geist finden. Dieser Frieden nimmt das gesamte Wesen ein und lässt tiefe Einsichten in die Natur der Dinge zu.


Sind diese vier Stufen der Versenkung erreicht, hat man auch einen kleinen Einblick in die drei Existenzmerkmale bekommen. Diese drei sind Unbeständigkeit (anicca), Leiden (dukkha) und Nicht-Selbst (anatta), wie Buddha sie lehrte. Einsichten werden erlangt durch das beobachten des Körpers, der Gefühle und des Geistes. Noch tiefer Einblicke in die Natur der Dinge erhält man durch die Beobachtung des Bewusstseins, mit welchem die nächsten fünf Stufen erreichen werden können, genannt “Stufen der formlosen Versenkung”.


Stufe 5: unendlicher Raum

Diese Stufen heißen formlose Versenkung, da hier die Grenzen der Form wie man sie kennt, nicht mehr zählen. Um diese Stufe zu erreichen wird mit Einpünktigkeit im Zustand des vierten Jhanas verweilt. Als nächstes betrachtet man die Begrenzungen des eigenen Wesens und konzentriert sich darauf diese zu überwinden. Man beginnt sich von oben zu sehen, Außerkörperlich also und dehnt das Bewusstsein danach Schritt für Schritt aus, bis es den gesamten Raum einnimmt.

Stufe 6: unendliches Bewusstsein

Der nächste Schritt ist das Beobachten des raumfüllenden Bewusstseins. Demnach wird die Aufmerksamkeit jetzt vom Raum, auf das Bewusstsein selbst gelenkt, welches schon in diesem Raum beinhaltet ist. Nun wird eine Art der Einigkeit mit allem, der gesamten Existenz, erfahren.

Stufe 7: ständiger Wandel

In der siebten Stufe der Versenkung und dem grenzenlos entfalteten Bewusstsein erreicht man eine tiefe Einsicht. Es wird klar erkannt, dass alle Dinge im Grunde “Leer” sind, bedeutet im ständigen Wandel und demnach nur in Abhängigkeit von etwas anderem bestehend.

Stufe 8: weder Wahrnehmung noch Nicht-Wahrnehmung

Diese Stufe, ebenso wie die letzte, lassen sich durch Worte kaum mehr beschreiben. Ab hier beginnt man die Wahrnehmung selbst als “Leer” zu erkennen. Das hat zur Folge, dass die Wahrnehmung gleichzeitig vorhanden und auch nicht vorhanden ist bzw. keinerlei Unterscheidung mehr davon wahrnehmbar ist.

Stufe 9: Wegfall

Diese Stufe ist der komplette Wegfall oder Vergessenheit der bewussten Wahrnehmung. Vergleichbar mit einem sehr tiefen Schlaf. Es wird gesagt, dass nur Wesen nahe des Erwachens, diese Stufe der Versenkung erreichen könnten.


Zusammenfassung

Abschließend eine Zusammenfassung der groben Eigenschaften der ersten vier Form-Jhanas und wie diese sich äußern können. Bei jedem können sich diese Jhanas anders darstellen und die ein oder andere Eigenschaft kann natürlich dazu kommen oder eben nicht.

erstes Jhana: wohltuende Körperempfindung, Freude und Einpünktigkeit.

zweites Jhana: wohltuende Körperempfindung, Freude, Klarheit durch aufgeben der Konzepte des Unterscheidens und Einpünktigkeit.

drittes Jhana: Zufriedenheit, wachsames Bewusstsein, wohltuende Empfindung, Klarheit durch das aufgeben des Konzepts der Freude und Einpünktigkeit.

viertes Jhana: Neutralität der Empfindungen, Gelassenheit und Einpünktigkeit.


Dennoch lässt sich Vipassana auch ohne Jhanas üben. Man sollte sich aber bewusst sein, dass der reine Vipassana-Weg auf keinen Fall so flüssig sein wird wie der, der die Konzentration als Fundament hat. Ein Vorschlag wäre die Meditation einzuteilen, den Anfang macht z.B. Metta um den Geist zu besänftigen, die Mitte widmet man Samatha um den Geist ein wenig zu konzentrieren und das Ende, nachdem der Geist friedvoll und ruhiger ist, der Vipassana-Meditation. Probiert es selbst aus und schaut was euch persönlich liegt!

Bis zum nächsten Mal unterm Baum,

Namaste, Metta und Adé
-Anagarika